Roland Tichy hat vollkommen recht, wenn er die Verklärung der Debatte über den Iran-Krieg zur Gesinnungsfrage kritisiert. Vielleicht haben die Deutschen das Erbe des Dreißigjährigen Krieges auch noch nicht überwunden, in dem politische Fragen zu Glaubensfragen verklärt wurden und der von Joachim Stephani im Jahr 1612 zusammengefasste Grundsatz des Augsburger Religionsfrieden „Cuius regio, eius religio“ (wes die Herrschaft, dessen die Religion) Politik zur Glaubenssache machte.
Doch im Iran-Krieg geht es nicht um Gesinnung, nicht um Moral, nicht ums Völkerrecht, es geht um etwas, was deutsche Politiker nicht können, um Geopolitik. Es handelt sich um Interessenpolitik in einer Zeit, in der alte Gewissheiten nicht mehr existieren, in der neue Mächte auf- und alte Mächte absteigen. Ihnen wird der Thron unterm Hintern weggezogen. Denn es entsteht eine neue Weltordnung. Was seit einigen Jahrzehnten geschieht, ist nichts anderes, als das, was man Geschichte nennt. Doch davon verstehen mediokere Parteisoldaten nichts, deren Mediokrität die Grundbedingung für ihren Aufstieg bildete. Auch das ist nicht neue, es ist das, was gewöhnlich in dekadenten Gesellschaften sich abspielt.
Bevor Friedrich Merz nach Washington zu Donald Trump reiste, riss er in der Art einer lustigen Person in Volkmarsen noch Karnevalsscherze über den amerikanischen Präsidenten. Doch lustige Personen werden für gewöhnlich nicht ernst genommen, schon gar nicht, wenn ihr Humor von gestern ist. Überhaupt scheint Friedrich Merz in Washington nicht wirklich angekommen zu sein, jedenfalls nicht in das Washington des Jahres 2026. So redeten Trump und Merz aneinander vorbei, während Trump die Welt von heute im Blick hatte, so Merz die Welt von gestern.
WM 2026 in USA: Fifa-Skandal! Trump ruft Infantino an! Sperre für US-Spieler aufgehoben I WELT LIVE











