Ob die Operation „gewaltiger Zorn“ erfolgreich sein wird, der Iran also in eine friedliche, säkulare Gesellschaft übergehen kann, ist ungewiss. So wenig hier ein blauäugiger Optimismus angebracht ist, so wenig spricht allerdings für pauschalen Pessimismus. Die Gründe dafür liegen in der spezifischen Verfasstheit des Iran, der auf eine über 2000 Jahre alte Zivilisationsgeschichte zurückblickt. Die reformbedürftige Monarchie, die 1979 durch eine Schreckensherrschaft ersetzt wurde und nach einer Entmachtung der Mullahs rekonstituiert werden könnte, ist mit einer säkularen Demokratie grundsätzlich vereinbar.
Wer dem Wort „Regime Change“ misstraut und dessen militärische Initiierung auch im Fall des Iran ablehnt, hat Argumente, die nicht völlig von der Hand zu weisen sind. Libyen, Irak, Afghanistan – die Geschichte amerikanischer Interventionen im Namen von Freiheit und Demokratie ist leider nicht arm an Beispielen, die dem Misstrauen gegenüber „bombing for democracy“ Gründe liefern. Dieser Pessimismus bleibt jedoch zu abstrakt, um beim Iran eine vernünftige Einschätzung zu sein. Er ignoriert die spezifischen Konstellationen und betrachtet sehr unterschiedliche Gegenstände durch ein und dieselbe Brille. Die politischen Ausgangslagen unterscheiden sich jedoch grundlegend.
Saddam Hussein (Irak) und Muammar al-Gaddafi (Libyen) waren säkulare Diktatoren, deren Entmachtung ein Machtvakuum hinterließ, das Islamisten füllen konnten. Im Irak, wo ein hybrides System zwischen Staat und schiitischer Milizmacht herrscht, ist der Islamismus nicht nur Gegner des Staates, sondern Teil des Staates. Libyen ist ein Failed State ohne klares Machtzentrum, in dem rivalisierende Clans und islamistisch geprägte Milizen um die Macht ringen.
Im Iran verhält es sich gerade umgekehrt: Dort herrschen Islamisten, deren Entmachtung ein Machtvakuum hinterlassen würde, das von Persern durch eine säkular-demokratische Monarchie gefüllt werden könnte – unter der Führung von Kronprinz Reza Pahlavi. Dieser hatte bereits vor 25 Jahren in seinem Buch „Winds of Change“ – und seitdem immer wieder – ein Referendum über eine säkulare Staatsform und freie demokratische Wahlen gefordert.
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