Das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik nie zuvor gegeben: Ein regierungsnahes und teils regierungsfinanziertes Medium veröffentlicht mitten im Wahlkampf eine Geschichte, die dem Wahlkonkurrenten der noch regierenden Parteien schaden soll. Allerdings stellt sich die Frage, was Correctiv in seiner vermeintlichen Skandalgeschichte über Friedrich Merz an „Brisantem“ nun eigentlich aufgedeckt haben will. Wie dem aber auch sei: Im Kanzleramt bei Merz-Konkurrent Olaf Scholz wird sie ganz sicher auf Zufriedenheit stoßen.
Die am Montag veröffentlichte Geschichte „Der Mann der Großkonzerne: Das Lobby-Netzwerk von Friedrich Merz“ ist auf eine SPD- und Grünen-nahe Wählerschaft zugeschnitten, was nicht überrascht: Im Jahr 2023 erhielt Correctiv 198.500 Euro von Grünen-Politikerin Claudia Roth, die als Bundesbeauftragte für Kultur und Medien diese Summe überwies. Roths Stelle ist im Bundeskanzleramt angesiedelt und damit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) direkt unterstellt. Ebenso bezeichnend ist, dass Correctiv in den Jahren 2022 und 2023 über eine halbe Million Euro von der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalens erhielt, was unter der Verantwortung von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) geschah, der in NRW in einer Koalition mit der Grünen Partei regiert. Wüsts politischer Kurs folgt dem links-grünen Flügel der CDU.
Die Angaben zur regierungsamtlichen Finanzierung von Correctiv fallen inzwischen genauer aus: Diese Hinwendung zu verbesserter Transparenz war allerdings eine Reaktion darauf, dass NIUS vor einem Jahr exklusiv über die staatlichen Finanzspritzen berichtete. Bundestagsmitglied Leif-Erik Holm (AfD) hatte Höhe und Quelle der Fördermittel seinerzeit durch eine schriftliche Anfrage in Erfahrung gebracht. Erst danach hörte Correctiv auf, in seiner Fördermittel- und Spenderliste unter der Kategorie „Bundeskasse“ diverse staatliche Förderer zu verschleiern, darunter das Kanzleramt.
Correctiv wird zwar nicht müde, zu betonen, dass derartige Finanzspritzen projektgebunden sind und nicht direkt in die Recherchen von Correctiv fließen. Diese Verteidigung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwischen Correctiv, dem Bundeskanzleramt und zahlreichen anderen staatlichen Institutionen finanziell begründete Nähen und Interessenskonflikte entstanden sind, die Correctiv motivieren, sich politisch entsprechend einseitig auszurichten. Unterm Strich fällt der mediale Aktivismus, den Correctiv mit seinen Recherchen und seinen Faktenchecks betreibt, dann auch in die links-grüne Kategorie „Kampf gegen Rechts“. Harte Investigativ-Recherchen gegen Grünen-Minister Robert Habeck wären geradezu unvorstellbar. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch: Seit Mitte November managt die bis dahin als Ko-Geschäftsführerin tätig gewesene Jeannette Gusko den laufenden Wahlkampf für die Grünen.
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