Kapuzinerbruder Joachim Wrede ist eigentlich gebürtiger Sauerländer, hat seine Heimat jedoch vor kurzer Zeit verlassen – weil er den Ausbau der Windenergie in der Region nicht miterleben möchte. In seiner neuen Heimat, dem Kloster in Münster, erzählt er, warum ihm vor allem die Eingriffe in die Natur ein Dorn im Auge sind.
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Wir sind hier im Kapuzinerkloster Münster zusammengekommen. Warum nicht mehr im Sauerland?
Wrede: Ich habe Jahre in Schliprüthen im Sauerland zwischen Eslohe und Finnentrop verbracht. Dort habe ich kontemplativ eremitisch leben können – auf meinen eigenen Wunsch hin –, weil mir das persönlich liegt und weil ich meine, da ist eine Dimension zu entdecken, die uns in Kirche und Gesellschaft verloren gegangen ist. Aus der Stille, aus einem tieferen Grund, aus religiöser Innenerfahrung heraus zu leben.
Und diese Ruhe, die Sie jetzt gerade beschrieben haben, die wurde dann gestört. Richtig?
Wrede: Ja, die Ruhe wurde gestört. Ich meine, ich habe mich jahrelang dagegen verwahrt, dass Windräder errichtet werden. Nicht nur da am Ort, sondern insgesamt, weil das Sauerland eine Region ist, die noch große zusammenhängende Waldgebiete hat, die zerstückelt und zerstört würden durch Windindustrieanlagen. Dann habe ich mir gesagt: Jetzt geht es hier nicht mehr. Ich habe dann meinen Amtsoberen gebeten, mich zu versetzen.
Was stört Sie denn konkret an den Windanlagen?
Wrede: Es ist der Eingriff in die Natur, und der Mensch lebt in der Natur. Wir sind Teil der Natur. Das haben wir vergessen. Wenn dann der Infraschall, der hörbare Schall, auch noch mit dazu kommt, dann bringt das die ganze Gegend in Unruhe. Und die Tierwelt spürt das am ehesten, denn Infraschall ist für alle Tiere spürbar.
In Ostwestfalen war ich davon selbst betroffen. Ich habe versucht, das bei Ärzten zu melden. Dann wurde gesagt: „Da wissen wir jetzt erst mal keinen Rat drauf.“ Aber das ist jetzt schon Jahre her. Danach sagte mir jemand: Sie sind sensibel für Infraschall, 10 bis 30 Prozent der Bevölkerung sind das. Die spüren es sehr stark und die anderen spüren es nicht. Ob es dennoch auch mit ihnen etwas macht, ist eine andere Sache, aber das Spüren liegt halt nur bei diesen 10 bis 30 Prozent.
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