Die neueste Studie zum brisanten Thema Meinungsfreiheit zeigt: 44 Prozent der Deutschen meinen bereits, man müsse mit politischen Aussagen vorsichtig sein. Allensbach-Forscher Thomas Petersen betont, dass diese Einschätzung nicht bedeutet, die gesetzlich garantierte Meinungsfreiheit sei abgeschafft. Vielmehr gehe es um das subjektive Empfinden, dass gesellschaftlicher Druck und moralische Erwartungen die offene Diskussion zunehmend erschweren.
Viele Bürger hätten das Gefühl, sich genau überlegen zu müssen, was sie sagen, um nicht in sozialen Netzwerken oder im beruflichen Umfeld in Misskredit zu geraten. „Viele erleben, dass man theoretisch alles sagen darf, praktisch aber nicht alles sagen kann, ohne negative Konsequenzen zu riskieren“, sagt Petersen.
Zugleich zeigt die Erhebung im Auftrag der Frankfurter Alllgemeinen Zeitung, dass ein großer Teil der Bevölkerung selbst Einschränkungen für andere befürwortet. In der Befragung wurden provokante Aussagen wie „Soldaten sind Mörder“, „Homosexualität ist eine Krankheit“ und „Frauen gehören an den Herd“ abgefragt. Die Mehrheit wollte, dass solche Aussagen verboten werden: 52 Prozent bei der ersten, 49 Prozent bei der zweiten und 43 Prozent bei der dritten Formulierung. Petersen schließt daraus, dass viele Menschen die Meinungsfreiheit nicht als allgemeines Prinzip, sondern eher als Recht für Gleichgesinnte verstehen.
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