Das Wichtigste zuerst: Ich war auf eine woke Shitshow vorbereitet und wurde aufs Angenehmste überrascht. Eigentlich wollte ich den Film kritisch sehen. Zum einen, weil Nachfolgefilme von Blockbustern gerne mal enttäuschen. Zum anderen: Ich war mir sicher, dass zwei Jahrzehnte nach dem Bestseller der Autorin Lauren Weisberger und dem fulminanten Teil 1, dieser hier nur eine Anbiederung an unser freudloses Jahrzehnt sein konnte. Die Welt hat sich verändert – so sehr, dass eine dreiminütige Szene mit der als „rechts“ geltenden Sydney Sweeney rausgeschnitten wurde, wohl aus Angst vor politischem Gegenwind. Zudem mussten sich die Hauptdarstellerinnen auf ihrer Pressetour rechtfertigen, ob denn ja genügend diverse Models mitspielen. Der Verleih: Disney.
Die Zeichen standen also auf „Bringen wir es hinter uns“, als ich vormittags mit rund 100 Pressemenschen im Zoopalast in Berlin saß. Doch dann: zwei Stunden perfektes Entertainment, das den Stoff von 2006 ebenso perfekt auf den Leib von 2026 schneidert. Ja: Da fahren Essens-Liefertaxis durchs Bild, da stehen Dragqueens und Influencer am roten Teppich, ohne aber zu Hauptfiguren zu werden. Gut so, denn die Heldinnen, drei Frauen und ein schwuler Mann, tragen den Film noch immer.
Zum zweiten Mal spielt Anne Hathaway Andy Sachs, die sich im Modezirkus einen Platz erkämpfen muss.
Der Film startet mit einem Journalismus-Award, der an die Hauptfigur Andy Sachs geht, während sie und ihre Kollegen per SMS die Kündigung bekommen. Die Zeitung spart. Es wird umstrukturiert. Journalismus verliert in Zeiten von KI an Bedeutung. Diese Szene könnte in jedem Land der Erde spielen.
Andy, gespielt von Anne Hathaway, ist immer noch die perfekte Mischung aus mutig und menschlich. Und sie hat dasselbe Glamourpotential: Ein Outfitwechsel, und aus dem schusseligen Bücherwurm wird ein Model. Hathaway ist 43, zweifache Mutter und der beste Beweis dafür, was Botox heutzutage leisten kann. Andy Sachs also hat nach ihrer Zeit als Assistentin für die Runway-Chefin Miranda Priestly, (in Anlehnung an die gefürchtete Anna Wintour, langjährige Chefredakteurin der US-Vogue) zwei Jahrzehnte als „richtige“ Journalistin gearbeitet. Diese Miranda, extrem gut vernetzt und extrem arrogant, ist im Jahr 2026 natürlich längst Popkultur und geht als Meme durchs Netz – so wie das stets Sonnenbrille tragende Vorbild Anna Wintour.
Anna Wintour war 37 Jahre lang die Chefredakteurin der US-Vogue.
ERFURT: Massen-Proteste gegen AfD-Parteitag! Einzelne Krawalle! Weidel hat mehr Macht I WELT STREAM











