Wenn Sie krank sind, lieber Leser, dann müssen Sie das niemandem erzählen. Ihre Gesundheit ist Ihre Privatsache. Da erwartet von Ihnen auch niemand ärztliche Bulletins.
Etwas anders verhält es sich, wenn Sie an der Spitze einer regierungsähnlichen Organisation stehen. Wenn Sie Präsidentin der EU-Kommission sind, beispielsweise. Denn dann wurden Sie gewählt (irgendwie jedenfalls) und werden vom Steuerzahler bezahlt.
Der Bürger hat ein Recht darauf zu erfahren, wie fit die Menschen sind, denen er zumindest auf Zeit nicht wenig Kontrolle über sein Leben einräumt. Man will schließlich auch völlig zurecht wissen (falls der Chinese angreift oder Russe), ob man eine handlungsfähige politische Führung hat – oder ob die da in Brüssel wegen Krankheit nur vor sich hindämmern.
In der ersten Januar-Woche wurde Ursula von der Leyen mit einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Dort blieb sie etwa eine Woche. Doch den Klinikaufenthalt ließ sie geheim halten. Das war kein Zufall: Am 3. Januar informierte ihre Pressemannschaft die Öffentlichkeit zwar darüber, dass die CDU-Politikerin erkrankt war. Aber dass eine Behandlung im Krankenhaus nötig wurde, verschwieg man sorgfältig.
Die bewusste Desinformation über den Gesundheitszustand von Spitzenpolitikern kannte man zu Zeiten der Sowjetunion aus dem Kreml. Da waren alle Generalsekretäre des ZK der KPdSU immer topfit – bis genau zu dem Moment, wenn sie es halt nicht mehr waren. Dann waren sie in der Regel auch schon tot.
„Sogar der Buckingham Palast gibt heutzutage Erkrankungen und Klinikaufenthalte zu“, sagt die deutsche EU-Abgeordnete Gabriele Bischoff. Die Sozialdemokratin ist ziemlich angefasst wegen von der Leyens Informationsverhinderungspolitik in eigener Sache. Das sorgt besonders deshalb für Verdruss, weil es kein Einzelfall ist: Die Chefin in Brüssel neigt immer deutlicher zur Alleinherrschaft in Tateinheit mit fehlender Selbstdistanz – und zur Vermeidung von Kommunikation mit der Außenwelt.
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