So wie Deutschland gerade ist, so ist immer auch seine Fußball-Nationalmannschaft. Das ist gar keine so steile These, wenn man genauer darüber nachdenkt. Vielleicht stimmte sie nicht in jedem einzelnen Moment der Nachkriegsgeschichte. Aber im Großen und Ganzen hat sie gestimmt.
Und heute stimmt sie vollständig.
So augenfällig wie lange nicht zeigt sich das bei der Vorstellung des deutschen Kaders für die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) inszeniert das nicht als Fest der Vorfreude auf das größte Sportereignis der Welt, sondern als woke Werbenummer für sich selbst.
Auf der Bühne „befragt“ DFB-Pressesprecherin Franziska Wülle den Bundestrainer Julian Nagelsmann. Das ist ungefähr so interessant, als würde auf dem CDU-Parteitag die CDU-Pressesprecherin mit dem CDU-Bundesvorsitzenden ein „Interview“ führen. Man kennt diese maximal gestellten und maximal gestelzten Pseudo-Gespräche.
Der DFB hätte auch einen gestandenen Sportreporter für die Veranstaltung engagieren können. Da hätte zumindest die Chance bestanden, dass irgendetwas Unvorhergesehenes passiert und vielleicht zumindest ein bisschen Spannung aufkommt. Aber unter seinem Präsidenten Bernd Neuendorf – der vor seiner Verbandskarriere Pressesprecher der SPD und dann für seine Sozialdemokraten Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen war – ist der DFB so geworden wie die SPD: ein glattgekieselter, bürokratischer Moloch, der nur noch um sich selbst kreist und seinen eigentlichen Daseinszweck (den Fußball) schon lange verfehlt.
Und Julian Nagelsmann passt da perfekt hinein.
Der 38-Jährige ist für viele Dinge bekannt – Kritikfähigkeit und Selbstzweifel gehören nicht dazu.
In seiner Karriere als Herrentrainer hat Nagelsmann einen einzigen ernstzunehmenden Titel geholt: die Deutsche Meisterschaft mit Bayern München in der Saison 2021/2022. Allerdings hätte vermutlich auch kein anderer Trainer diesem Erfolg ausweichen können, denn die Bayern waren zuvor bereits zehnmal in Folge Meister geworden.
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